Delikate Delikte – Teil 3

In den letzten Wochen bin ich auf eine neue Lautsprecheransage in Tegel aufmerksam geworden. Diese warnt vor Taschendieben und schärft Passagieren ein, dass sie gut auf ihr Gepäck aufpassen sollen. In den nächsten Wochen werden wir uns auf diese Delikte konzentrieren und der Sache nachgehen …

Es gibt keine Automarke, die auf den Parkplätzen des Flughafens nicht vertreten ist. Mir fiel ein wunderschöner Bugatti Veyron auf, der regelmäßig, manchmal sogar wochenlang in der Tiefgarage unter Gate 14-15 parkte. Eines Tages kam ich zu Arbeit, stellte mein Auto ab und wurde auf ein tiefes, gurrendes Motorgeräusch aufmerksam. Der Bugatti! Endlich würde ich den Inhaber sehen. Meine Mitarbeiterinnen und ich hatten bereits gerätselt, ob es ein älterer Herr war oder vielleicht ein unwiderstehlicher adretter junger Mann, ein Traumtyp für jede »Pretty Woman«.

Ich musste an der Schranke vorbei und blieb kurz stehen, um mir ein Bild vom Fahrer zu machen. Der Bugatti näherte sich im Schneckentempo. Vor ihm an der Schranke stand ein VW Passat. Die Fahrerin steckte ihre Karte hinein, die Schranke öffnete sich, der VW fuhr durch. Von diesem Moment an dauert es vier bis fünf Sekunden, bis sich die Schranke wieder schließt. Ein VW Passat braucht acht bis neun Sekunden, um von null auf hundert zu beschleunigen. Der Bugatti schafft das in nur zweieinhalb Sekunden. In dem Moment, als der Passat die Schranke passierte, heulten alle achtzehn Zylinder auf und der Bugatti fuhr mit ohrenbetäubendem Lärm unter der zugehenden Schranke hindurch. Ein kleiner Dieb, der auf dieser Weise Parkgebühren sparte.

Immer wieder kommen Reisende aus dem Urlaub zurück und suchen vergebens ihr Auto. Weg. Mal ist das ganze Auto verschwunden, mal nur die Reifen, der Airbag, das Navi, die Scheinwerfer, das Lenkrad. »Diebe haben sich sehr erfolgreich auf die Langzeitparkplätze des Flughafens spezialisiert«, berichtet Claudia, die bei der Landespolizei in Tegel arbeitet. Die Methoden sind simpel: Jemand fährt mit einem alten Auto rein und zieht dabei einen Parkschein. Nur wenige Minuten später fährt er mit einem hochwertigen Wagen raus. Das Ganze kostet nur ein altes Auto und zwei Euro fünfzig Parkgebühren. »Hier achtet jeder nur auf sich selbst, keiner guckt nach rechts oder nach links. Das ist das größte Problem«, sagt Claudia und eilt zu Gate 10. Dort hatte ein Betrunkener eben zwei Flaschen Bier vom Imbisswagen geklaut.

Schreibe einen Kommentar