Delikate Delikte – Teil 4

In den letzten Wochen bin ich auf eine neue Lautsprecheransage in Tegel aufmerksam geworden. Diese warnt vor Taschendieben und schärft Passagieren ein, dass sie gut auf ihr Gepäck aufpassen sollen. In den nächsten Wochen werden wir uns auf diese Delikte konzentrieren und der Sache nachgehen …

Auch die Geschäfte in Tegel bleiben von Dieben nicht verschont. Die Esprit-Verkäuferinnen mussten einmal vor Weihnachten ihre komplette Kaffeekasse einbüßen. Jemand hatte ihr Sparschwein einfach mitgenommen. Die Kolleginnen wollten das Geld für ihr gemeinsames Weihnachtsessen nutzen.

Im Koffershop gegenüber hatte die Verkäuferin Yvonne genau an dem Tag, an dem die Kaffeekasse verschwand, ein komisches Gefühl. Irgendwas war nicht rund. Kurz nach Ladenöffnung kam eine bunt gekleidete, ältere Frau herein und wollte mit einem Fünfhunderteuroschein zahlen. Sie sah so ungepflegt aus, dass es Yvonne sofort klar war: Der Fünfhunderter musste gefälscht sein. »Ich kann leider nicht wechseln, aber die Polizei direkt nebenan, die kann das bestimmt.« Yvonne griff zum Telefon. Ihre Intuition hatte sie nicht getrogen, es war Falschgeld. Die Frau wurde abgeführt.

Und trotzdem, das komische Gefühl ließ sie nicht los. Um die Mittagszeit herum kamen zwei junge Männer in den Laden, fast noch Jugendliche. Sie betraten das Geschäft einzeln, es war aber klar, dass sie irgendwie zusammen gehörten. Der eine ließ sich von Yvonne eine Geldbörse zeigen und ausführlich erklären. Yvonne schilderte ihm die Vorzüge des Portemonnaies, behielt aber den anderen im Auge, der interessiert Taschen begutachtete. Plötzlich fiel ihr eine klaffende Lücke im Regal auf. »Wo ist die Porsche-Tasche?« Yvonne rannte zu Tür und schloss ab. Sie handelte wie ferngesteuert. Noch nie war ihr so etwas passiert, aber sie verteidigte den Laden wie eine Wildkatze ihr Revier. Sie ergriff eine Schere, stand zitternd vor den jungen Männern an der verschlossenen Tür und fragte erneut: »Wo ist die Porsche-Tasche?« Die Männer schauten sich um, und derjenige, der sich für die Taschen interessiert hatte, bückte sich und zog das gesuchte Stück zwischen zwei Koffern hervor: »Die muss mir runtergefallen sein«, sagte er und stellte die Tasche zurück ins Regal. »Raus hier! Aber sofort!« Yvonne schloss die Tür auf, die Männer verließen das Geschäft. Yvonne rückte die Tasche im Regal zurecht, und in dieser Sekunde traf es sie wie ein Blitz: das Portemonnaie! Sie hatten das Portemonnaie gestohlen!

Ich bin immer davon ausgegangen, dass der Sicherheitsbereich sicher ist. Dass nach der Sicherheitskontrolle nicht geklaut wird. Schließlich hat dort drin jeder einen Namen, einen Pass und eine Bordkarte. Und keiner kann so leicht abhauen. Doch die Mitarbeiterinnen der Duty-Free-Shops, Peggy und Florina, berichten, dass dem nicht so ist. Es werden dort regelmäßig Zigaretten oder Parfums geklaut. Von den unterschiedlichsten Menschen, selbst von Botschaftsmitarbeitern und Geschäftsleuten. Weniger von Frauen als von Männern. Diese Menschen riskieren alles für ein Produkt, das nur 19,90 Euro kostet. Die Mitarbeiterinnen sind sich sicher, dass es sich in diesen Fällen um Kleptomanie handelt. »Wir rufen die Polizei, und dann rennen sie in die Toilette und versuchen, das Diebesgut dort loszuwerden. Einer hat mal das ganze Gate überschwemmt mit seinen Zigaretten in der Kloschüssel.« Dilettantisch oder blöd? Die beiden können sich nicht entscheiden.

Seitdem das Fliegen billiger geworden ist, sind auch Gaunerbanden unterwegs: eine Art Vielflieger-Langfinger. Sie fliegen von Flughafen zu Flughafen und räumen den Duty-Free-Bereich leer. Sie klauen gezielt und nur teure Produkte; Chanel, Dior; wenn sie zuschlagen, dann so geschickt, dass man es nicht bemerkt. Sie haben kleine Koffer-Trolleys, die zweckmäßig präpariert sind: Oben ist eine spezielle Klappe eingebaut, in der das Diebesgut unauffällig verschwinden kann. Der Schaden ist nie geringer als tausend Euro.

Aber auch kleine, fast wertlose Sachen sind am Flughafen nicht sicher, weiß die Restaurantmitarbeiterin Marion. »Die Fluggäste klauen bei uns ständig. In Massen. Ganz banale Sachen wie Kaffeelöffel. Ich weiß nicht, warum, vielleicht brauchen sie die Löffel für Mallorca, weil es dort keine gibt?« Und es gibt viele andere Dinge, die für Reisende offensichtlich unentbehrlich sind: Salz- und Pfefferstreuer, Blumengestecke, Weinflaschen, Pralinen aus der Confiserie und selbst belegte Brötchen aus der Auslage sind ein echtes Must have!

Schreibe einen Kommentar